ich sammle
lediglich streitpunkte
von den gemusterten kleidern
betontreppenstufendumpf
rinnen unsere worte
nach und nach
den abfluss unserer kehle
hinunter
die kanalisation unseres
zentralen nervensystems sucht
suchtbefreite
satzhülsen, unbeschwerte
stahlträger, die in schillernden
ölpfützen den puls rein waschen
beim auftachen an die oberfläche
klirren die selbstgefälligen sektgläser
klammheimlich ihre endzeitmelodien
das echo der sprudelnden glasperlen
hinterlässt einen traurigen nachgeschmack
aber noch ist alles gut
beim umblättern der seiten
hingen deine fingerkuppen
immer noch ein wenig
dem echo auf dem papier nach
und nach und immer wieder
das aufprallen von buchstaben
in deinen sprachlosen mund
beim schaufensterschleichen
schälten sich glassplitter ab
und an schmerzte das wünschen
von schönen dingen dich so süß
dass die tränen schmeckten
wie schwermütiger wein
beim lauschen in die stille
wurden deine hände kalt um den hörer
‘wer ist da?’, kam es vom anderen ende
wo der verliebte den finger um die schnur wand
die schmelzende neugier und
die harte enttäuschung, weil
du es nicht bist
ließ dich taumeln vor leben
beim starren in die dunkelheit
blicktest du auf das schattentheater
der surrend singenden straßenlaternen
die schwarzen scherenschnitte
sollten an die wand geworfen werden
aber trafen dich, tiefer als das meer
ich sah niemals wieder einen menschen,
der aus wunden wunder machte
.
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sechs ungeahnte möglichkeiten
werden fünf blindgänger
und ein schnappschuss
der uns die augen öffnet
russisch roulette
in ausblutenden morgenröten
alles eine sache der perspektive
im entfalten der lotusblüte
unermesslich, unvergesslich schön
richten wir den weitblick
zu grunde
die schönheit der welt bringt
uns um
den verstand und das glück
vierundzwanzig bilder in der sekunde
ergeben einen film
vierundzwanzig stunden am tag
unser leben als kodak-moment
wir ersticken an der körnung
und geben uns dem bildrauschen hin
an der unklarheit der blauen stunden
kann der himmel nicht entscheiden
ob er in anbetracht der ungesunden
euphorie
lachen oder weinen soll
unser weltbild fällt aus dem rahmen
zu farbgesättigt und lebenshungrig
keine zeit kann uns an
kein wille uns ab
kein foto uns so fest
halten
so wie wir sind
wie der wind in den lungenflügeln
uns den auftrieb schenkt
an paralysierten nachmittagen spannt sich
die luft wie die maske über unseren wangenknochen
und spannt uns all die klugen sätze aus
wir wahren unser gesicht und vertrauen-
nicht dem schicksal, das uns
das wasser bis zum hals stehen lässt
die gewitterfliegen benetzen unsere lippen
als suchten sie etwas von bedeutung, wie regen
doch das wetter bleibt schwül und der sommersturm aus
und dann fangen wir an zu bereuen, stellen fest
rückwärts gesehen ist das wort leben nur nebel
tabu- und wolkenbrüche verfolgen mich im schlaf
das echo unserer atemzüge entgleist im nichts-ist-wichtig
das donnergrollen ist das würfelrollen der götter
neben uns schlägt ein blitz
uns die flausen aus dem kopf
ich verlasse den schlechten film
der sich auf der regennassen straße bildet
und werfe hunderte würfelbecher und pläne
zu-fall
schlag auf schlag
wort sucht bedeutung
im ewigen kreiseziehen der gedankenschlieren
frage ich mich rund um die uhr, um die welt
so zu formen, wie sie sein sollte, müsste, könnte- nein!
was soll man tun im zweifelsfall, wenn
das rundgeliebte herz plötzlich im dreieck springt?
nervosität im quadrat mit rauhen kanten
schwingt sich im trapez von winkel zu winkel
errötet im schein der flutlichter
wird dichter, wird sprachlos, wird würfel
alea est iacta, geworfen zu boden, zu sprachlosigkeit
‘nichts zu machen’ hat die schultern gezuckt
es ist, wie es ist
jetzt liege ich hier
die welt ist eine scheibe
meine hände zerkratzt
unbedacht und leergesagt
dröhnen im kopf und unter den füßen
das dreieck wird zum sternenzelt
schlagwort auf wimpern
schlag herz schlag herz
warum nicht einfach schweigen
Alles beginnt mit einem Testbild.
Bunte Balken, weicher Sessel, angenehme Schläfrigkeit.
Die Schwüle des Sommers flirrt um dich herum und betäubt.
Ein Knopfdruck, ein Surren, der Kopfdruck lässt nach.
Alles beginnt mit einem Testbild. Es ist Abend und vielleicht solltest du aufstehen und dich strecken. Vielleicht. Aber du hast ja alles um dich herum, was du brauchst. Essen, Trinken, Schlafen, Atmen, Sehen, Hören, Riechen, Tasten.
Viele Tasten. Das kalte Licht wirft sich dir ins Gesicht und malt dir fremdes Leben in die Mundwinkel. Du lachst.
Das Surren verliert sich in der Geräuschkulisse, deine liebste Senderfrequenz beträgt sechzig Herzschläge in der Sekunde. Dann ist alles gut, das Rauschen klingt ab und der Rausch beginnt.
Irgendwann stehst auch du unter Spannung, dann bist du unter Strom und eigentlich müsstest du Angst haben. Aber du bist beruhigt, wenn sich deine Finger um die Haltestangen des Faraday’schen, goldenen Käfig schließen. Das ist dein Zuhause, hier hast du alles, was du brauchst.
Der Sommer weicht und die bunten Bilderstürme des Herbstes erreichen dich nur hinter Glas. Du gehörst nicht dazu, du betrachtest aus deiner Machtposition und wählst per Telefon deine Akteure aus. Deine Lider zucken im Schlaf, sie schließen sich nur widerwillig. Du arbeitest gern in deiner eigenen Traumfabrik. Knisterndes Laub, Schritte vor deinem Fenster, per Knopfdruck verschließen die Jalousien die Sicht. Die Wärme schwindet. Schwindet aus dir. Aber es ist alles so schön bunt hier.
Mechanisch nickst du. Dein Nacken wird steif und du hast seit Tagen kaum gesprochen, wozu auch? Mit wem auch? Die Jahre gingen ins Land und du aus der Welt. Du musst nicht mehr gehen, du bist der Empfänger, Unterhaltung par excellence.
Die Hitze aus längst vergangenen Zeiten pocht dir hinter der Stirn, als fremde Erinnerung, die du nicht zuordnen kannst. Blaue Lichter und flackerndes weiß, Senderwechsel, strahlende Gesichter und blühende Ideen für Reisen und Unternehmungen. In deinem Trip hast du alles schon gesehen, es reicht.
Eine dünne Frostschicht überzieht die Ritzen der Jalousien. Die Senderfrequenz ist null, der Bildschirm zeigt Schnee.
wir erwachen
regen tippt mit
sanften fingerspitzen
gefühle von der scheibe
rinnt an glas
verfliegt
2 uhr 37
reflektierte straßenschilder
unüberlegte sätze holpern
schlingern stürzen
viel zu schnell
kontrollverlust
prasseln und dröhnen
betäubt unser schweigen
in watte gepackt
fahren wir
es tut mir leid
im flussbett schlafend
wiegen wir, langsam und sicher
nicht mehr als die bilder
in unserem kopf
rauhfasergeküsste hände
ringen ineinander verhakt
mit der euphorie
in der kälte
wird meine gänsehaut
zu blindenschrift
in der strömung
verloren gegangen
liest du mich auf
die mondsichel kräuselt
lächelnd die oberfläche
die zeit rennt
wir schweben
das kopfsteinpflaster
heilt nicht die wunden
der straße
die sich tagein, tagaus
durch abgezweigte grünanlagen schleppt
es bedeckt lediglich
längst kaltgeschwiegenes
bis eine gefallene ballkönigin
sich bewusst
an den vernarbenden rillen
einen zacken aus der krone bricht
gemustert mit traurigen blicken
zugrunde gesenkt und leise
saugt es abschließend
blindgeträumte wünsche auf
den boden der tatsachen
und schweigt wie ein grab
der himmel kippt bedrohlich
verläuft sich im labyrinth
der gestohlenen antworten
verläuft sich im nichts
ist wichtig
im monochromen schwindelrausch
bewegen wir uns auf dünnem eis
der schnee fällt
die bäume
wegen der wir den wald nicht mehr sehen
wir sind die ersten pinselstriche
auf dem hellen grund
los schweigen wir
beobachten, wie die vögel
aus wertvollen kronen fliehen
um neues land zu suchen
ich laufe und stürze
den hügel der gefälligkeiten
hinunter, mitunter
bis ich es wage, die stimme zu heben
die lider zu senken
und die verschneiten ideen
zu hinterfragen
statt sie zu hintergehen
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